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Segeln in der Kvarner Bucht - Familientörn Pfingsten 2007

 
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Elisabeth-Gantert
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Anmeldungsdatum: 24.05.2007
Beiträge: 4


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BeitragVerfasst am: 25.06.2007, 07:16    Titel: Segeln in der Kvarner Bucht - Familientörn Pfingsten 2007

Kvarner Pfingsttörn im Mai 2007

Sonntag, 27. Mai 2007
Von Rosenheim bis Pula bleiben es einfach 7 Stunden, da kann man nichts machen. Familie Wörle aus Regensburg war schon nachmittags angekommen, hatte einge-kauft und die Vorräte im Schiff verstaut. Ich kam mit Familie Stanzl aus München in deren Auto nach.
„Kannst du mir eigentlich mal was Aktuelleres auf den IPod spielen als solche Opern, wie die coolen Hosen?“. Das war der 9-jährige Markus zu seinem Papa. Kaum fahrst ein Jahr schon bist du da - wir passierten komischerweise die Schranke in der Marina Veruda, ohne unsere Ausweise abgeben zu müssen und fanden am Steg 7 die SUM-MERDREAM, eine Bavaria 46 Holiday. Regine hatte massenweise Bolognese vorge-kocht, sodass die Spaghetti flugs auf dem Tisch standen.
Der Check-in musste bis morgens warten, weil zu so später Stunde (1930) die Basis schon geschlossen war. Es war ja auch Sonntag. Dann brach ein ordentliches Gewit-ter los, das die Schiffe nur so herumwarf. Am Steg gegenüber hatte es eine Genua herausgerissen, die nun im Sturm zerrte. „Nach dem Gewitter ist sie hin“, dachte ich und rang mit mir, im Geprassel hinüber zu laufen oder nicht. Aber als ich den Gedan-ken zu Ende gedacht hatte, sah ich auf der Bavaria 38 zwei Männer die Genua ber-gen und war der Aufgabe enthoben. Bei uns stand der Küchendampf im Wohnzim-mer, da bumste unser Heck gegen die Mauer. Wie geht denn das? Ich lief zur Muring und musste feststellen, dass sie nur lose um die Klampe lag ohne Kopfschlag. Tja! Wo war denn eigentlich unser Beiboot? Dasselbe war scheinbar überhaupt nicht fest gebunden gewesen und so Opfer einer Gewitterbö geworden. Als der Regen Pause machte, schwärmten alle Kinder aus, um es zu suchen und fanden es einen Steg weiter im Wasser treiben. Bald war der Ausreißer wieder an seinem Platz, diesmal aber gefesselt.
Ich hielt meine Einweisungsrede und ernannte jedes der fünf Kinder zu einem Beauftragten. Es gab einen solchen für Seeventile, Luken, Wasser, Strom und den Kühlschrank. Als Wache und Backschaft teilte ich je einen Erwachsenen mit einem „Fremdkind“ ein.
Nachts prasselte es weiter.

Montag, 28. Mai 2007
Um 0800 erschien Aleksander, der Stützpunktleiter von Summertime Charter. Wir gingen die Checkliste durch und er brachte die Dinge, die für zehn Leute Besatzung noch gefehlt hatten: Es waren zu wenig Bettzeug, Gabeln, Gläser und lifebelts da, obwohl ihm doch die Crewliste vorgelegen hatte. Na ja, hatte er eben vergessen. Der Autopilot vollführte wilde Kapriolen im Stand, das Radar ging überhaupt nicht und das GPS zeigte, dass wir gerade auf dem Land stehen, aber das ist ja normal und nichts Besonderes.
Als wir um 1025 abgelegt hatten, mochte die Logge nicht. Auch das ist normal, wenn ein Schiff länger steht. Ich fuhr eine Weile rückwärts und drehte dann wieder um – nö, die Logge wollte nichts anzeigen. Ausbauen heute Abend!
Ich schaue so am Steuerrad herab (Was, kein Radfeststeller?) und rufe mobiltele-fonwendend Aleksander an. Nein, auf diesem Schiff sei noch nie ein Radfeststeller gewesen und ich sei die erste, der das auffalle. Wofür ich den denn brauchte, fragte er. Tsss.
Ein SSE blies mit 4, später mit 5 Bft, was uns veranlasste, die Genua gleich gerefft zu setzen. Wrummms. Nach ein paar Minuten stand sie voll da, weil der windige Ba-variamechanismus halt nicht hält. Na ja, egal. 5 Grad mehr Lage ist auch ok. Für meine Nichtsegler allerdings war unsere Rauschefahrt mit 7 Knoten so beeindru-ckend, dass bis auf Harald, Klaus, Sissi und mir allen schlecht war. Das Cockpit wur-de immer leerer, weil ich die Seekranken entweder ans Ruder oder ins Bett schickte.
Cres Stadt war unser Ziel, aber am Leuchtturm Porer, der Südspitze Istriens waren schon fast alle unter Deck verschwunden. Es hellte auf. Dann ließ Äolus stark nach und pustete erst noch mit 4 und später mit 3, so dass wir ab 1500 den Jockel mitlau-fen ließen. Langsam tauchte meine Mannschaft wieder aus der Versenkung auf und platzierten sich auf dem Deck verteilt zum Sonnenbaden. Badepause. Das Großse-gel spreizte sich und wollte auf den letzten Meter einfach nicht in seinen Mast zurück. Ist ja klar, wenn der Unterliekstreckerblock zerfetzt ist und sich die Leine in der Rolle verklemmt hat. Bakalutendampfer! Darauf hatte ich bei der Übernahme nicht ge-schaut. Ob alle Rollen in Blöcken intakt sind. Nee nee. Ja, und die Genuareffleine wollte auch nicht mehr von der Rolle laufen. Sie war außerhalb der Rolle verwursch-telt, weil die Leinenführung total wackelig am Vorstag hing. Mit einem Kabelbinder fixierte ich das Ding notdürftig.
Es dauerte eine Weile, bis alle 5 Kinder im Wasser waren. Na, so kalt war es auch wieder nicht! Nach der halben Stunde Pause war der Wind auch nicht wieder ge-kommen und so motorten wir die restliche Strecke nach Cres-City.
Wo ist denn bloß der Steg? Der permanente Südwind der letzten Tage hatte das Wasser in die Adria gedrückt, das jetzt einen halben Meter höher stand als gewöhn-lich. Ja, und als die Anlegeminute kam, kam auch wieder der Wind. Wir hatten alles bestens vorbereitet und Regine an der Luvleine hatte die Order, als erstes zu werfen. Das war unser Plan. Der Mann am Steg hatte einen anderen: er wollte uns unter al-len Umständen zuerst die Muring reichen und winkte immer nur ab, als ich bat, er solle doch die Leine annehmen. Seitenwind! Sissi sprang auf den Kai, nahm die Lei-ne an und klemmte sich beim Verknoten um den Ring dummerweise den Finger rot und blau. Währenddessen machte unsere Steuerbordseite lockere Bekanntschaft mit einem süßen 7Meter10-Schifflein, dessen Bordfrau zusammen mit Sieglinde ganz entspannt abhielt. Dann war die Luvleine endlich fest und ich konnte in dieselbe dampfen. Diese Besserwisser an Land! Die größte Frechheit war, dass er mich fragte, wo ich denn gelernt hätte! Als wir dann wieder gerade standen und gemütlich die Muring zogen, meinte er: „Da muss ich jetzt wohl applaudieren!“. Idiot!
Wir luden die nette Mutti von nebenan auf den Anlegerschluck ein und sie erzählte, dass sie und ihr Mann von Umag aus gestartet waren und nun schon seit drei Tagen in Cres lägen, weil die Wettervorhersage so schlecht gewesen war. Kosten täte es hier nichts. Wie denn der Wind gewesen sei. „Gemütlicher 5er“ antwortete ich und sie verdrehte die Augen. Sie seien Anfänger und hätten das mit dem kleinen Schiff be-stimmt nicht überstanden.
Es regnete. Der Steg stand 5 cm unter Wasser. Wir kochten wieder mit geschlosse-nen Luken. Ganz Mutige wagten sich in der Regenjacke hinaus und bis dahin war nur Sieglinde einmal mit dem Kopf ans Luk des Niedergangs geknallt. Sonst bin ich immer der Kandidat.
Die Logge. Vor den Bugkabinen im Boden sind die Löcher für den Geber und das Echolot. Neben dem Loggeber lag nicht der Stopfen, sondern - ein bisschen verkrus-tet - der Geber selbst! Sauber gekratzt steckte ich ihn statt dem Stopfen in das Loch, schraubte wieder zu, Harald tunkte die Adria aus dem Boden und – am nächsten Tag ging die Logge.
Nach dem Essen spielen wir „Phase 10“, eine Mischung aus Rommé und Maumau. Mit 10 Mitspielern begannen wir. Die Kinder schliefen entweder bei dem jeweiligen Papi ein oder verkrochen sich ganz gegen ihre Gewohnheit ziemlich früh in die Falle. 10 kleine Negerlein …… Manche drückten vorher noch meinem Ferdinand (Pfingst-törn 2006) den Bauch und gingen unter Gejodl ins Bett.
Regine, Sieglinde und ich versuchten uns noch an ein paar Rätseln. Gibt man selber eines auf, freut man sich tierisch, wenn die anderen knobeln, bekommt man aber eines gestellt, …...
Wofür steht das „x“ in EZDVFS x AN?
Was kommt nach MDMD? Knoble mal schön, lieber Leser! die Antwort gibt’s bei mir.
Die Lehrerin Sieglinde hatte noch eine Seefahrergeschichte parat. „Gibt mir mal je-mand ein DIN A 4-Blattl? Es kann auch kleiner sein.“
Sie faltete ein Schifferl und erzählte währenddessen, dass das Schiff in einen Sturm gerät und seinen Bug verliert. Sie riss den Papierbug ab. „Dann knallt das Schiff ge-gen ein Riff und verliert sein Heck“, ging die story weiter. Der Mast musste auch noch geopfert werden und endlich fragte sie: „Was fand man Jahre später am Grund des Meeres noch?“ Sie faltete das Blatt auseinander. „Das Hemd des Kapitäns!“.

Dienstag, 29. Mai 2007
Die Gewitter zogen wieder über uns her. Morgens um 0600 fingen die Buben in der Nachbarkabine zu rumoren. An Schlaf nicht mehr zu denken. Allerdings knackte ich dann um halb acht doch noch mal ein und trotzte allen Weckversuchen von Klein-Tobias. Das Frühstück war schon vorbei, als ich den Kopf aus der Kabine steckte. Wie geht denn das? Zu zehnt in einem 4-Kabinen-Schiff? Ganz einfach, indem man einen Dampfer ab 46 Fuß nimmt, bei dem es zwei gleiche Bugkabinen mit einem „Drüberstockbett“ gibt. Drei Buben in der einen und die beiden Mädels mit mir in der anderen Kabine, die Eltern achtern und schon konnten wir boat people spielen.
Der Himmel war gnädig und wir durften bis 1100 durch den schönen Ort Cres flanie-ren. Harald wechselte unsere Unterliekstreckerrolle aus, indem er 10 cm der Leine opferte, weil der Knoten in Ewigkeit nicht zu lösen gewesen wäre und dann legte Sieglinde ab. Muring weg, in die Achterleinen dampfen, dieselben fieren und weg. Ich wollte nicht noch einmal auf Tuchfühlung mit einem anderen Schiff gehen. Unsere Stegnachbarn wollten noch diesen Tag bleiben, weil SW7 angesagt war.
Draußen auf dem Wasser wollte ich dieser 7er Wind leider nicht blicken lassen. Es fächelte zweier Wind aus allen Richtungen. Weil der Motor sowieso gleich laufen soll-te, stellte ich den kühlen Schrank auf volle Pulle. Allein, er gab keinen Muckser von sich. Ein Zeichen für leergenuckelte Batterien? Viele Kühlschränke schalten sich ab, wenn zu wenig Spannung zur Verfügung steht.
Wegen des fehlenden Antriebs änderten wir den Plan, nach Krk-Stadt zu schippern und entschieden uns für Rabac auf der Festlandseite es Kvarners. Plan B.
Die Buben rissen sich wieder um das Steuerrad, fuhren auch so manche Schlangen-linie ins Adriawasser und wollten zwei Meilen vor der Küste probieren, ob es auch ohne Motor ginge. Immerhin auf drei Knoten Fahrt brachten wir es mit der Segelei. Gerade in der Bucht von Rabac nahm der SW wieder zu, obwohl Hügel diese Himmelsrichtung abdeckten. Es waren keine Fallböen, nein, einfach nur eine Brise.
An der Mauer mit den Murings lagen nur drei kleinere Boote und ließen uns viel Platz. Harald sprang mit der Luvleine bewaffnet an Land und wickelte sie um einen Poller. Ich zog das Schiff wieder gerade und Tobias zog das augenscheinlich pas-sende Muringstrickerl aus dem Wasser.
Klaus hatte die Leine schon mit dem Bootshaken erwischt und ging damit zum Bug, die dünne Leine leider nicht wieder loslassend. Je weiter er zog, desto mehr wurde klar, dass die Leine direkt quer unter dem Rumpf hochkam. Die Leine sank nicht wie normal ab und so schnell konnten wir gar nicht schauen, wrusch, zwirbelte sich das dünne Strickerl und schwamm dann ganz entspannt an der Wasseroberfläche. Mu-ring, die zweite! In Mali losinj hatte ich mir vor Jahren von einem gemeinen Marinero eine Muring quer ziehen lassen und mir eigentlich versprochen, dass mit das nicht mehr passieren würde. Aber wie es halt so geht im Leben, … Klaus hatte die Muring schon um die Klampe gezogen. Vorwärtsgang rein. Ich bat, Sissi, das Steuerrad nach Luv fest zu halten (dafür zum Beispiel braucht man einen Radfeststeller!) und half Klaus, die Muring zu ziehen. Senkrecht zeigte sie ins Wasser und hielt unser Heck leider nicht genug vom Steg ab.
Zwischenzeitlich kam der Hafenmensch an und schimpfte, dass er beobachtet hätte, wie wir die Muring abgerissen hätten. Ja, warum war er dann nicht helfen gekom-men?
Er meinte, wir sollten eine zweite Muring nehmen. Er zog sie heraus und als wir sie am Bug fest hatten, war der Strick knapp unter der Wasseroberfläche gespannt. Ei-nige Knoten sorgten sogar dafür, dass sie noch kürzer wurde. Zwei davon lösten wir, das brachte wenigstens einen Meter Länge. Versteht jemand so was? Der Wind drückte unser Heck gegen die Hafenmauer, aber auch energischstes Gasgeben än-derte daran wenig. Langsam reifte in mir die Erkenntnis, keine Schraubenwirkung mehr zu haben. Wieso war dann der Motor nicht gestorben? Wahrscheinlich rutschte die Welle einfach durch. Wir gaben mit den Heckleinen zwei Meter nach, zogen vor-ne mit vereinten Kräften die Muring so dicht es eben ging und nahmen dann die Heckleinen wieder dicht. Solala war ich dann zufrieden. Ich solle ins Büro kommen, kommandierte der Hafenfritze.
Polacko! Erst nach einem schönen Anlegerschluck rief ich Aleksander vom Stütz-punkt an und sagte ihm, was geschehen war. Ich solle nachschauen, ob die Schrau-be noch dran sei, meinte er. Och, bei dem siffigen Hafenwasser soll ich jetzt tauchen gehen? Hilft ja nix!
Rein in den Badeanzug, Flossen dran, Brille drauf und rin in die garnierte Brühe. Ja, das Schräublein fand sich noch an seinem Platz. Keiner meiner Crew fand Zeit, die-sen heroischen Akt im Bild fest zu halten. Sie seien so fasziniert gewesen, wie schnell ich im Wasser war. Ja Buben, es geht auch ohne Murren und Meckern! Dann sollte ich noch prüfen, ob das Getriebe einkuppelt. Auch positiv.
Nach zwei SMS hin und her sagte Aleksander sein Kommen trotzdem mit einer neu-en Schraube für den nächsten Tag zu.
Ob wir denn einen Taucher brauchten, fragte der Hafenfritz und hatte gleich eine Ausgabe davon dabei. „Nein“, meinte ich, „das erledigt mein Vercharterer morgen selber“. Wir flachsten noch ein bisschen – er war jetzt viel verträglicher als vor einer Stunde – und zu guter letzt stellte ich fragend fest: „Die Murings gehen aber alles andere als gerade ins Wasser, oder?“. Er nickte und zwinkerte mir zu.
Ich hatte mich selbst heute als Backschaft eingeteilt und weil ich keinen Fisch in Cres bekommen hatte, auf Pfannkuchen umdisponiert. Sissi rührte den Teig, Florian und Markus schnipselten Gemüse und zu viert buken wir unter viel Gelächter und mit einer, sich immer wieder verabschiedenden Gasflamme die Pfannkuchen aus. Die ersten gelangen wie immer nicht und mussten gleich in den Mägen der Kinder ver-schwinden. Markus hielt den Gasknopf fest, damit die Flamme nicht ständig erlosch und jammerte jedes Mal, wenn wir die Backofentür öffneten, um einen fertigen Pfannkuchen warm zu stellen. Er bestand aber darauf, drei Arme zu besitzen, und dann war es ja kein Problem, wenn einer versengt wurde Wink
Mittendrin dämmerte es mir, dass es doch keine so gute Idee gewesen war, für 10 Menschen Pfannkuchen zu backen, aber allein das Kochen an sich war es schon wert. Markus meinte: „Wir sind doch nur zwei!“. Hä?? „Na ja, ich und ich!“
Während wir uns in der Küche vergnügten, suchten die Wörle-Eltern ihren Tobias. Der Kleinste der drei Geschwister hatte sich selbständig gemacht und war vor über einer Stunde spazieren gegangen. Als sie ihn wieder eingefangen hatten, tischten wir auf: Unsere goldgelben Kreationen mit zwei Füllungen: Gemüse oder eine Variante aus dem Marmeladenpotpourrie.
Ich erzählte ein paar Geschichten von Schiffspannen und dabei kam die Rede auf die heraus gesprengte Klüse einer Bavaria 35, eine Story von vor 5 Jahren, so ge-schehen in Silba-West. Was denn eine Klüse sei, wollten die Kinder wissen und ich zeigte auf die Stelle, wo der Steuerbordleinendurchführer hätte sein sollen. Da klaffte aber eine Lücke. Das Auf und Nieder des Hecks bei diesem Schwell hatte der be-rühmte Millimeter Gusseisen nicht geschafft, war ausgerissen und im Hafenwasser von Rabac versunken.
Den weiteren Abend verbrachten wir mit Wortspielen und viel Gelächter.

Mittwoch, 30. Mai 2007
Aleksander tauchte wie versprochen um 0915 auf, zog seinen Anzug an, legte Blei um, ich half ihm beim Umschnallen der Flasche und schon sprang er in die Fluten von Rabac. Nach einem Kontrolltauchgang wollte er Werkzeug zugereicht bekom-men. Er montierte die alte Schraube ab und kam mit zerhäckseltem Leinenzeug nach oben. Ich kam mir vor wie eine Assistenzärztin: Tupfer, Schere, Klemme. Nur dass er Imbus, Schraubenzieher und die mitgebrachte Relingstütze als Hebel von mir ver-langte. Zu meiner Verwunderung baute er aber dann doch die alte Schraube wieder hin. Die besorgte neue werde es sich aufheben für die nächste Gelegenheit, meinte er. Er knotete dann die Muring aus dem Hafenbecken mit dem Reststrickerl wieder zusammen und tauchte noch die versunkene Klüse von 8 Meter herauf. Ja, einfach ausgerissen war sie. Aleksander lächelte nur, als ich ihm die antike Klüsenstory er-zählte. Als er sich wieder trocken gelegt hatte, tranken wir zusammen noch einen Ramazzotti und waren sehr zufrieden, als er für den ganzen Akt nur 50,- € wollte. Echt kulant! Aber dem Beständig muss ich ein mail schreiben, dass Rabac nur für Kleinausgaben von Schifferl geeignet ist! (Karl-Heinz Beständig gibt das Heft „888 Häfen und Buchten in Kroatien heraus)
Beim anschließenden Ablegen gegen schönen 4er Wind zwickte sich die Achterleine steuerbord. Flori, du sagtest doch, sie wäre klar! Wir kamen trotzdem gut weg, es sah halt nicht so elegant aus.
Draussen im Kvarner fegte eine Schönwetterbora mit NE 6. Grad schön! Um unsere Mütter nicht zu sehr zu ärgern, die Angst um ihre Kinder hatten, refften wir ein biss-chen und bretterten mit 8, zeitweise auch 9 Knoten dahin. Sieglinde und ich trockne-ten die Teller vom Mittagsimbiss ab (das hätte sie vor zwei Tagen noch nicht durch gehalten), als die Buben oben zu schreien anfingen. Die Logge schwang sich auf 9,5 und hopste dann über die 10-Knoten-Marke hinweg. Zur Feier des Tages legte ich die CD von Buena vista social club ein und drehte die Lautstärke hoch. Tobias kam in den Salon und meinte, warum ich denn den Radio nicht ausstellte. „Wir dürfen doch nicht soviel Strom verbrauchen.“
Jeder der Buben wollte unbedingt steuern. Manchmal artete das in einen Spiralkurs aus, aber ich hatte das Groß mit einem Bulli gesichert. Regine ermahnte ihren Mann Klaus, er solle doch aufpassen, dass Florian, ihr Ältester nicht so wilde Steuerbewe-gungen machte. Klaus daraufhin: „Ja, aber wir sind schon unter 8 Knoten!“. Der Blick aufs Speedometer verstellt halt oft den Blick aufs Wesentliche.
In Null komma nix waren wir auf der Höhe Martinscicas und in unserer angepeilten Bucht Uvala Ustrine. Kleine Einweisung übers Ankern und schon glückte der erste Ankerversuch. Cirren zogen sich über den Himmel, wir badeten und schauten dann eine Episode der beliebten Serie „Was machen denn die anderen“ in Seglers Kino. Heute wurde da gezeigt, wie er und sie auf einer wunderschönen Najad34 einen stürmischen Ankerversuch machten. Sie fuhr fast mit Vollgas den Haken rückwärts ein, der beleidigt ausbrach. Dann raste sie vorwärts, während er den Anker aufholte und überfuhr denselben. Wir hofften auf einen zweiten Versuch, aber das deutsche Bootseignerpaar drehte auf dem Absatz um und verließ fluchtartig die Bucht. Viel-leicht fühlten sie sich zu sehr von uns beobachtet.
Gegen 1615 zogen wir wieder ab, setzten nur die Genua und pfiffen mit viel zu schnellen 6,5 Knoten Richtung Osor. „Käppi über Bord!“ Das sofort eingeleitete „KOB-Manöver“ ließ das unvorsichtige Mützchen schnell wieder den Weg zu uns an Bord finden. In Osor wollten wir am Wartekai anlegen und hofften auf einen freien Platz, nachdem die Brücke um 1700 geöffnet worden war. Um nicht gar so schnell dort zu sein, refften wir, waren aber trotzdem um 1650 dort. Kein Schifflein besetzte unseren Kai, so dass wir bequem anlegen konnten. Na ja, die Fender mussten erst gaaaanz runter.
Erstaunt stellte ich fest, dass es heute überhaupt gar keinem mehr seekrankschlecht war, so was! Meine Familien gewöhnen sich ans Schiff. Dafür fand Regine beim Landgang jetzt, Osor sei schon eine wacklige Stadt und Sieglinde pflichtete bei, sie wären wohl auf einer Schwimminsel, es schwanke alles so, am Schiff wäre es stabi-ler. Wir beobachteten die Brückenöffnung, das Passieren der Segelyachten und die Schaulustigen.
Am kleinen Fischerhafen zettelte ich ein Gespräch mit einem Netzeflicker auf seinem Kahn an. Wir kauderwelschten italienisch und deutsch und erreichten, dass er uns für den nächsten Morgen einen großen Fisch oder, wenn er keinen finge, ein Stück Lamm verkaufen würde. Wie eine Menschentraube hingen wir dann an dem Eisstand. Bis 10 Leute die gewünschten Sorten auf ihrer Waffel haben, das dauert schon. Sieglinde pflückte den längst fälligen Blumenstrauß.
Osor ist ein so nettes Örtchen, viel zu schade zum Durchfahren. An jeder Ecke findet man Bronzefiguren, die musizieren. Eine rundliche Frau fiedelt, ein schmaler Jüngling bläst in eine zierliche Querflöte und an einer Mauer sind Köpfe von Honora-tioren aufgestellt. Aus Bronze.
Zurück auf unserer SUMMERDREAM machten wir uns ans Kochen, als ein Radler neben uns hielt. Mit einem Quittungsblock in der Hand fragte er nach dem Skipper. Ich meinte, er suche ja wohl eher nach unserem Finanzmanager und fragte, was er haben wollte, wo es doch vor drei Jahren noch nichts gekostet hatte. Osor hätte jetzt die Genehmigung zum Kassieren erhalten und für 100 Kuna hätten wir einen schö-nen Nachtplatz. Das hätten sie sich von den Deutschen abgeschaut: gehst Du hier – 2 €, parkst Du da – 4 €, fährst Du drüben – 5 €. Ich wollte ihn herunter handeln, da meinte er, sie wären ja nicht auf dem Balkan. Aber es gäbe Wasser, wenn wir wollten und ein Toilettenhäuschen. „Kein Strom?“, fragte ich. „Nächsten Monat ist alles fer-tig“, antwortete er. Wo denn die Leerrohre wären, erkundigte ich mich. „Alles top sec-ret!“.
Wir hatten einen richtigen Spaß mit dem Typen und drückten die 100 Kuna ab. Noch ein Rat vom kroatischen Spezialisten: wir sollten umlegen, so dass der Bug nach Norden schaut. Ja, das sah ich ein. Also noch mal weg und andersrum hin. Gutt. Zum Schluss meinte unser Mann: „ Sie haben aber lustig! Kann man da eine kau-fen?“. Tobi überlegte kurz: „Ich geh mit, wenn ich dann nicht mehr in die Schule muss!“
Irgendwann gibt es in Kroatien keinen einzigen Steg, kein Häflein und keine Bucht mehr ohne Geld; haben sie ja von uns gelernt.

Donnerstag, 31. Mai 2007
Der bestellte Fisch war morgens aus dem Kofferraum eines Mercedes zur Stelle. 2 Kilo kosteten 60 Kuna, toll!!!
Der Brückenwärter trudelte an und schickte uns um 5 vor 9 weg, auf dass der Kanal frei werde. Na klar. Zusammen mit zwei anderen Yachten (unsere Ankerprotagonis-ten vom Vornachmittag trafen auch ein) warteten wir auf die Durchfahrt. Regine steuerte uns gekonnt durch den engen Kanal und nach dem Slalom durch die Fahr-wasserbetonnung motorten wir Richtung Veli Losinj. So was von keinem Wind!
Um 1030 zogen wir doch die Lappen raus und brachten es bei SE3 auf 4,5 Knoten. Ein Hüngerchen regte sich. Die hervorragende Backschaft zauberte Schinkenbrote phantasievoll garniert auf den Cockpittisch – Zeit zum Beidrehen. In Ermangelung eines Steuerradfeststellers banden wir das Ding halt fest. Kurz bevor wir auf die Fel-sen knallten, nahmen wir die Genua über und segelten das letzte Stück nach Veli Losinj. Zwei Versuche mit Buganker rückwärts an den Molenkopf waren genug. Ein nervender Motorbootfahrer, der wirklich alles besser wusste und zuviel Kraut am Grund für unseren Pflugscharanker – nein, er hielt einfach nicht – veranlassten uns, ums Eck nach Rovenska zu gehen. Dort gab es Bojen als Muringersatz und eine himmlisch freie Hafenmauer.
Der Nachmittag lud bei strahlendem Sonnenschein zum Nichtstun ein. Meine Hän-gematte musste nun einmal gelüftet werden und weil keines der Kinder da war, hatte ich sie auch für mich alleine. So schön kann segeln sein!
Gerade als ich ausgeschlafen hatte, kamen die Mädels mit einem Eis in der Hand und die beiden Elternpaare an. Regine wollte von ihrem Mann mit dem Beiboot zum Baden gefahren werden, aber als alles dafür vorbereitet waren, sprangen die drei Buben heran und saßen – schwupps – im Dinghi. Da wurde Regine aber mal richtig sauer. Das Geschrei ging wieder los mit der stereotypen Frage: „Warum wir nicht?“. Sollen die Kinder aber aufräumen oder abspülen, dreht sich der Wortlaut einfach um und dann heißt es: „Warum grade