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Jutta Gast
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Verfasst am: 04.01.2004, 09:30 • Titel: Re: Erfahrungen - Kroatien, Sommer 2003 |
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Als mit dem Fall des Kommunismus die Preisbindungen in Kroatien wegfielen,
haben die Preise extrem angezogen. Mit dem Argument die Saison sei zu kurz (in drei Monaten muß ein Jahresumsatz erziehlt werden) und die Preise im Ausland
seien ja auch nicht niedriger, wurden diese Erhöhungen gerechtfertigt.
Gleichzeitig versuchte ein bankrotter Staat neue Einnahmequellen zu erschließen
(Erhöhung der Preise für private Tauchgenehmigungen, Parkgebühren auf jedem Acker, Kurtaxe für die nichts geboten wird etc).
Dazu kommt, daß kaum ein Vermieter oder Restaurantbetreiber jemals im Ausland war und mitbekommen hat, daß dort für gleiche Preise ein wesentlich höherer Standard geboten wird.
Diese Probleme bestehen zur Zeit in Kroatien. Wer sich mit jahrelangen Kroatienerfahrungen brüstet und das nicht mitbekommen hat, ist entweder naiv oder hat dort nur am Strand gelegen.
Kroatien ist nun mal nicht billig, nur weil es billiger als Deutschland ist. Die meisten Kroaten verdienen immer noch relativ wenig. Vor allem die Renten sind extrem gering. Wie sollen sie in einem Land überleben, in dem die Lebenshaltungskosten fast deutsches Niveau erreichen, nur weil Touristen einmal im Jahr bereit sind alles zu bezahlen. Das ist einfach die falsche Einstellung.
Wie in jedem Urlaubsland werden Touristen mitunter "abgezockt". In Kroatien geschieht das aber meistens etwas subtiler als in anderen Ländern, d.h. nicht jeder merkt es. Die, die es merken sind aber deshalb noch lange keine Meckerer.
Wer es merkt, sollte sich wehren, die die es nicht merken, erhöhen eben das Bruttosozialprodukt und verleben den schöneren Urlaub.
Besonders im Hinblick auf die Freundlichkeit erscheint mir die ganzu Diskussion zu sehr schwarz-weiß. Es ist wie überall. Es gibt Freundliche und Unfreundliche.
Kommt ganz darauf an, auf wen man trifft. So einfach ist das.
Das Argument, daß ein Kellner am Ende der Saison nicht mehr freundlich sein kann, ist mir zu hohl. Von einem Kellner in Deutschland wird Freundlichkeit auch das ganze Jahr über erwartet. Wer das nicht kann, arbeitet im falschen Beruf.
Kroatien ist landschaftlich gesehen eins der schönsten Länder Europas. Infrastruktur und Standard sind im Aufwind, aber viele Mißstände müssen noch behoben werden. Wer ein Land liebt, sollte es mit allen Vor- und Nachteilen mögen und nicht mit Scheuklappen in der Gegend herumlaufen. |
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Michael Gast
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Verfasst am: 04.01.2004, 18:26 • Titel: Re: Erfahrungen - Kroatien, Sommer 2003 |
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@ Jutta: Diese Probleme bestehen zur Zeit in Kroatien. Wer sich mit jahrelangen Kroatienerfahrungen brüstet und das nicht mitbekommen hat, ist entweder naiv oder hat dort nur am Strand gelegen.
Genau diese Probleme habe ich beschrieben. Was ist daran "naiv"?
Du hast völlir recht: meine kroatischen Freunde können sich das Leben in den Küstenregionen kaum noch leisten, besonders deren Eltern können ohne Unterstützung von hier nicht leben.
Aber was ist daraus die Konsequenz: Zahlen, nicht meckern weil die es irgendwie brauchen, nicht mehr hinfahren oder ein Art Diskussionsurlaub verbringen und sich immer erklären?
Die kroatischen Bürger wollen uns nicht als Touristen haben, weil sie uns so furchtbar nett finden. Sie wollen Geschäfte mit uns machen und dafür unser Geld. Ist völlig o.k. so. Wenn sie den Bogen geldmäßig überspannen, kommen weniger Touristen (siehe Spanien). Bei Spanien ist das kein Problem, das Land kann das puffern. Nicht aber Kroatien mit seiner schwachen Wirtschaft.
M.E. besteht hier das Risiko einer touristischen Abwärtsspirale. Das wäre schade. Hier so zu tun, als wären diejenigen, die dies ansprechen, naive Meckerer hilft nicht und ist nicht ganz fair!
Allerdings müssen diese Diskussionen in den Gremien vor Ort geführt werden - vielleicht schwappt ja was rüber?
Michael |
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Jutta Gast
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Verfasst am: 04.01.2004, 20:26 • Titel: Re: Erfahrungen - Kroatien, Sommer 2003 |
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Hallo Michael,
bin völlig Deiner Meinung.
Das"naiv" hat sich nicht auf Deinen Beitrag bezogen, sondern auf die Leute, die Kroatien und die Kroaten ständig durch die rosarote Brille sehen. Alles ist super, alles ist billig, alle sind extrem nett. In sämtlichen Foren gibt es immer die gleichen Leute, die sofort in die Breche springen, sobald sich mal jemand auch nur leicht kritisch äußert.
Du hast völlig recht, in erster Linie schätzen die Kroaten uns als zahlungsfähiges Klientel. Ist ja auch völlig normal, so laufen Geschäfte eben. Man kann ja auch nicht jeden zum Busenfreund erklären, nur weil er einem mal einen hausge-machten Wein ausgegeben hat. Mein Mann ist Kroate und ich habe dort früher im Tourismus gearbeitet. Deshalb höre ich auch häufig was hintenherum über Feriengäste erzählt wird. Das hat dann oft mit Gastfreundschaft nichts mehr zu tun.
Deshalb sehe ich Freundlichkeit immer zuerst auch etwas skeptisch. Freunde muß man sich wie zuhause sorgfältig aussuchen. Pauschalierungen sind immer falsch. Trotzdem bin ich immer wieder gerne in Kroatien und freue mich wie es von Jahr zu Jahr aufwärts geht. |
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Micha Gast
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Verfasst am: 05.01.2004, 10:56 • Titel: Re: Erfahrungen - Kroatien, Sommer 2003 |
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[b]Jutta:[/b] Ich habe nicht geschrieben, dass Kellner am Ende der Saison unfreundlicher sind, auch wenn im allgemeinen hier und da, gleich in welchem Urlaubsland, die schauspielerischen Fähigkeiten zum Ende der Saison beim Personal schon mal etwas nachlassen...
Im übrigen kann man aus reinen Mentalitätsgründen die Freundlichkeit eines deutschen Kellners nicht mit der eines Menschen vergleichen, der aus einem Land kommt, in dem das Wetter, sondern auch die Leute nicht so "kalt" sind.
Davon mal abgesehen macht es einen Unterschied, ob ich meinen Job Beruf oder Berufung ist. Ich kann von mir sagen, dass ich auch im Privatleben ein "freundlicher" Mensch bin, was aber nicht mein "Beruf" ist [s]:-}[/s]
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