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Mick
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Anmeldungsdatum: 08.02.2004
Beiträge: 2614


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BeitragVerfasst am: 12.08.2004, 09:18    Titel:

Hermes als bote des bösen

Allein die sicherheitsmaßnahmen bei den olympischen spielen in Athen kosten so viel wie die
spiele von München 1972 insgesamt. Einer festung gleicht die stadt bisher aber trotzdem nicht

Georgios ist wirklich ein durch und durch netter und friedfertiger mensch, doch wenn die rede auf das thema sicherheit kommt, was ziemlich oft der fall ist, kann er ganz schön in rage geraten. Wahnsinn sei doch, was das alles koste, findet der liebe Georgios, übertrieben die ganzen sicherheitsmaßnahmen sowieso, weshalb er und all die anderen gut 4 millionen seiner athener mitbürger mittlerweile die ahnung beschlichen habe, dass man ihnen und ihren spielen das so unverschämt teure sicherheitssystem nur aufgedrückt habe, um einen ziemlich fetten reibach zu machen. "Warum sollten terroristen hier einen anschlag machen?", fragt Georgios jedenfalls. "Wenn sie das tun, haben sie doch die ganze welt gegen sich."

Vielleicht muss man das als braver athener so sehen. Fakt ist aber auch, dass das thema außerhalb Griechenlands etwas argwöhnischer betrachtet wird. So ist einer umfrage zufolge fast ein drittel aller europäer der meinung, dass die spiele, die am freitag offiziell eröffnet werden, nicht friedlich über die bühne gehen, in den Niederlanden ist es gar über die hälfte der bevölkerung, die da glaubt, athen werde opfer eines terroristischen anschlags. Und nicht wirklich beruhigend wirkt da die tatsache, dass für die spiele bereits pathologen aus dem ausland angefordert wurden, die bei der identifizierung von leichen helfen sollen.

Unter den experten werden vor allem drei szenarien gehandelt, die als von potenziellen terroristen präferiert zu betrachten sind: 1.) sprengstoffanschläge; 2.) anschläge, die eines gewissen technischen aufwandes bedürfen, beispielsweise der einsatz einfacher chemischer kampfstoffe; und schließlich: 3.) anschläge, die eine ausgefeilte logistik benötigen, stichwort 9/11. Entsprechendes wurde bei der letzten großen sicherheitsübung, "Olympic Hermes" genannt, durchgespielt. Dort ging es um den abschuss einer Air-France-maschine, eine selbstmordattentäterin in der athener innenstadt sowie eine Geiselnahme durch al-qaida auf der Queen Mary 2, die im hafen von Piräus liegt. Zwar erklären, ähnlich wie Georgios, auch die internationalen sicherheitsdienste von Mossad über Interpol bis FBI, eine "glaubwürdige, spezifische terroristische bedrohung" für so gut wie nicht existent, aber sicher ist eben sicher.

Und, vor allem, teuer, sauteuer sogar, genau das ist es ja, was Georgios so erzürnt. Rund 1,2 milliarden euro werden all die vorkehrungen gegen den terror kosten, so viel wie noch nie bei olympischen spielen - und auch die griechen hat das ziemlich überrollt, weil die veranschlagten kosten vor ein paar monaten noch bei knapp der hälfte lagen. Schon das war doppelt so viel wie bei olympia vor vier jahren in Sydney. Wer das am ende bezahlen muss, ist noch nicht ganz raus, was es dafür gibt, hingegen schon: Rund 70.000 soldaten und polizisten, die die straßen, sportstätten und gebäude bewachen, Awacs-flugzeuge der Nato, die den luftraum im auge behalten, kriegsschiffe, die vor und im hafen wache schieben, sowie ein computergesteuertes sicherheitssystem, das aus über 1.500 überwachungskameras, bewegungsmeldern und unterwassersensoren (im hafenbecken) besteht und als das herzstück des olympischen sicherheitskonzeptes gilt. Hergestellt und aufgebaut wurde es von der US-firma SAIC und von Siemens.

Wenn man das so hintereinander aufreiht, könnte man leicht auf den gedanken kommen, dass Athen derzeit einer ziemlichen festung gleichen muss, in der man sich, big-brother-gleich, ständig beobachtet oder kontrolliert fühlt. Aber dem ist nicht so, jedenfalls im moment nicht, da es noch zwei tage sind bis zur offiziellen eröffnung. Daran, dass alles, was bei so einem großereignis nach sportstätte aussieht, von hohem zaunwerk umgeben ist, hat man sich mittlerweile schon bei anderen sportveranstaltungen gewöhnen müssen. Dass davor an so gut wie jeder ecke ein, zwei, drei polizisten mit geschultertem maschinengewehr herumlungern, ist nicht sonderlich schön, aber kaum zu ändern. Der zeppelin, der ständig über der stadt schwebt, um fotos zu schießen, tut dies lautlos und schon deshalb weitgehend unbemerkt, außer man schaut mal zufällig nach oben. Die raketenwerfer am flughafen wiederum hat man nach dem ganzen landestress fast schon wieder vergessen. Und auch die kontrollen verlaufen eher entspannt: Bei der einreise wollten die jungs vom zoll, so überhaupt welche vor ort waren, noch nicht mal den ausweis sehen, und auch das pressezentrum ist ohne größere umstände zu betreten. Bei den winterspielen in Salt Lake City waren die kontrollen jedenfalls strenger.

Vielleicht ändert sich das alles noch, wenn die spiele am freitag losgehen und die besuchermassen strömen. Zwei millionen menschen werden erwartet, vier millionen athener sind sowieso immer da (auch wenn viele derzeit auswärts urlauben). Fehlen noch die über 10.000 sportler und die hunderte von staatlichen würdenträgern, die es vor allem zu beschützen gilt. "Wie soll man für eine ganze stadt und so viele menschen hundertprozentige sicherheit herstellen? Das geht doch gar nicht", sagt Georgios, der nette athener. Er sagt auch: "Was möglich ist, haben wir getan." Auch wenn es ihm deutlich zu teuer war.

taz Nr. 7433 vom 12.8.2004, Seite 19, 173 Zeilen (TAZ-Bericht), FRANK KETTERER


Ach übrigens, falls ihr euch über die Kleinschreibung im Artikel wundert:

Liebe leserInnen,

die taz erscheint heute in kleinschreibung. Selbstverständlich haben hier nach wie vor die inhalte des geschriebenen priorität vor sprachregelungen. Aber wir möchten die debatte um die rücknahme der rechtschreibreform auch mal um einen konstruktiven beitrag bereichern. Es ist zwar schön, dass sich Springer und Spiegel um die "nachfolgenden generationen" in Deutschland sorgen: zurückgehen ist aber konservativer kulturkampf, wir gehen lieber nach vorn.

Warum kleinschreibung? Erstens hat sie sich weltweit bewährt. Zweitens ist sie mit sicherheit eine vereinfachung. Schon die brüder Grimm haben den "albernen gebrauch groszer buchstaben" kritisiert. Die taz machte einen ersten schritt im übrigen bereits am 19. oktober 1982, als sie den titelkopf der seite 1 von "die Tageszeitung" in das heutige "die tageszeitung" änderte.

Die kleinschreibung in der heutigen ausgabe ist selbstverständlich nicht kategorisch vorgeschrieben, der anspruch jedes menschen auf seine eigene rechtschreibung bleibt unangetastet.

Wir, die das experiment mitmachen, haben uns aus gründen der besseren lesbarkeit zunächst einmal für die gemäßigte kleinschreibung entschieden: groß geschrieben werden wörter am satzanfang, eigennamen, das geschlechter-I und der begriff Außerparlamentarische Opposition.

Wir hoffen, damit verwirrungen aufzulösen, damit auch anderenorts wieder spielraum für das wesentliche entsteht: die inhalte. Die taz ermuntert daher speziell den Springer verlag sowie Spiegel und FAZ, es doch auch mal mit der gemäßigten kleinschreibung zu versuchen.

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Bertram
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Anmeldungsdatum: 09.02.2004
Beiträge: 1254
Wohnort: Külsheim

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BeitragVerfasst am: 12.08.2004, 23:44    Titel:

Deutsche News unter:

http://de.sports.yahoo.com/olympics/

Offizielle Website unter:

http://www.athens2004.com/


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MfG BK
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Mick
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Anmeldungsdatum: 08.02.2004
Beiträge: 2614
Wohnort: Bayern

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BeitragVerfasst am: 13.08.2004, 08:17    Titel:

Der Boom bleibt aus

Athens Hoffnung auf einen Tourismusaufschwung durch Olympia wird sich nicht erfüllen

Jacques Rogge tut alles, um den Gastgebern Mut zu machen. Athen hat seine Hausaufgaben erledigt und es werden "magische Spiele", befand der IOC-Präsident eine Woche vor Beginn der Olympischen Sommerspiele. Es klang eher wie ein beschwörendes "Alles wird gut" mit Handauflegen. Denn nachdem die Griechen dank magischer Improvisationskünsten die Sportstätten in letzter Stunde an das IOC übergeben konnten - in vielen Fällen freilich ohne Testwettbewerbe - warten sie auf ein zweites Wunder. Von den Olympiatickets ist erst knapp die Hälfte verkauft. Vor allem der Rücklauf von vorbestellten Karten aus dem Ausland bedeutet, dass von 5,3 Millionen Tickets rund 2,7 Millionen noch zu haben sind. Und aus dem Athener Organisationskomitee (Athoc) ist zu hören, man wäre schon zufrieden, wenn man 65 Prozent der Eintrittskarten absetzen könnte. Vor vier Jahren in Sydney waren es immerhin 80 Prozent.

Wie also die Tribünen füllen? Die nahe liegende Lösung entfällt, denn die Schulklassen sind in Ferien, und ein Großteil der griechischen Armee ist mit olympischen Sicherheitsaufgaben betraut. Jetzt kann Premier Karamanlis nur noch an den Patriotismus der Hellenen appellieren: Die mögen sich das einmalige Erlebnis olympischer Spiele im eigenen Lande nicht entgehen lassen. Ob das hilft, wird sich zeigen. In Athen hofft man auf einen Nachbrennereffekt, der die Euphorie über den Erfolg der griechischen Fußballeuropameister in olympische Begeisterung verwandelt. Aber wer die sportliche Mentalität des Landes kennt, muss eher befürchten, dass die Gastgeber sich nur für Wettbewerbe erwärmen, in denen olympische Medaillen winken. Und das sind nicht allzu viele.

Die Sorge um die Auslastung der Tribünen verweist auf ein Problem, das mit patriotischer Pflichterfüllung nicht zu lösen ist. Die Olympiatouristen bleiben weg. Und nicht nur das. Die ganze touristische Saison scheint gefährdet. Die Zahl der Griechenlandurlauber ist im ersten Halbjahr 2004 im Vergleich mit 2003 um 12 bis 15 Prozent zurückgegangen. Zwar hofft man, den Schwund in der Jahresbilanz noch halbieren zu können. Aber schon steht für die Experten fest: Der Tourismus ist nicht trotz, sondern auch wegen der Olympiade eingebrochen.

Auf keinen Fall haben die Athener Spiele den olympischen Boom ausgelöst, den man vor Jahren allzu optimistisch erwartet hatte. Die Hoteliers im Raum Attika wollten in den olympischen Wochen täglich bis zu 150.000 Betten verkaufen. Tatsächlich werden es 30 bis 50.000 weniger sein. Und selbst bei den fest gebuchten Luxusunterkünften - in den großen Athener Hotels oder auf den Kreuzfahrtschiffen, die im Hafen von Piräus liegen - treffen in letzter Stunde Absagen ein. In diesem teuren Marktsegment könnten bis zu 3.000 bestellte Betten leer bleiben, vor allem die von Sponsorenfirmen reservierten. Denn diese haben offensichtlich Mühe, ihre Klientel für die Olympischen Spiele zu interessieren.

Warum das so ist, weiß die Athener Zeitung Kathimerini zu berichten: Viele Firmen haben für ihre VIP-Gäste pro Tag nur ein olympisches Event organisiert. Sie mussten davon ausgehen, dass die Athenbesucher angesichts der Verkehrsprobleme und der massiven Sicherheitsmaßnahmen schwerlich zwei Wettbewerbe am selben Tag mitnehmen können. Nur ein Event pro Tag ist aber vielen der Olympia-VIPs offenbar doch zu wenig.

Dies zeigt, warum das Produkt Olympia 2004 so schwer zu vermarkten ist. Viele Interessenten wurden durch die - weitgehend selbst verschuldeten - vorolympischen Meldungen über bauliche Verzögerungen und zeitraubende Personenkontrollen abgeschreckt. Das gilt auch für die normalen Olympiatouristen, die nicht zur weit verzweigten IOC-Familie und ihrer politischen Entourage zählen, die also ihren Aufenthalt in Athen aus der eigenen Tasche bezahlen. Dass sich diese Gäste ebenfalls rar machen, hat allerdings auch mit der strukturellen Krise des griechischen Fremdenverkehrs zu tun, die seit Jahren beklagt und diskutiert wird. Aber getan wurde nichts, weil man hoffte, das Olympiajahr werde schon die Wende bringen. Doch nun droht 2004 aus der schwelenden Tourismuskrise ein Flächenbrand zu werden. Ein Kommentator der Athener Zeitung To Vima spricht die bittere Wahrheit aus: "Antike Stätten, Meer und traditionelles Essen gibt es auch anderswo, und warum sollte jemand ein überteuertes Land und eine Festung besuchen, die von der Nato und 80.000 bewaffneten Kräften bewacht wird, wenn man die Spiele am Fernseher eines türkischen Hotels gegenüber von Rhodos verfolgen kann?"

Es ist kein Zufall, dass gerade in diesem Sommer die Türkei bei den Feriengästen einen Zuwachs von 40 bis 50 Prozent verbuchen kann. Zwar ist die "olympische Teuerung" eine marktwirtschaftliche Erscheinung, mit der alle Veranstalter der Spiele leben mussten. Doch in Griechenland wirkt sie besonders fatal. Für die meisten ausländischen Touristen ist das Land in den letzten fünf Jahren so teuer geworden, dass viele auf billigere Reiseländer umgestiegen sind. Zudem trug die Preisgestaltung der Athener Hotels zur Abschreckung bei. "Die Preise, die uns die Hotels im Winter gemeldet haben, waren einfach zu hoch", klagen Athener Reiseveranstalter. Und ihr Verbandspräsident stellt fest: "Einige Hotels haben ihre Preise zu stark erhöht und daraufhin überhaupt keine Klienten gefunden. Das geschieht ihnen recht." Viele Athener Mittelklasse-Hotels mussten kurz vor Beginn der Spiele ihre Preise von rund 350 auf 150 Euro senken. Die Anpassung an die Nachfrage kommt allerdings zu spät, denn nur wenige ausländische Olympiafans können kurzfristig noch ihren Urlaub umbuchen.

Selbst wenn man in Athen in letzter Stunde noch ein erschwingliches Hotel findet, bleibt die Stadt ein teures Pflaster. Allein seit Sommer 2003 ist die griechische Hauptstadt in der Tabelle der teuersten Großstädte der Welt um 21 Plätze nach oben geklettert. Heute liegt sie knapp hinter München und Prag, aber klar vor Brüssel und Madrid auf Platz 30. Im Vergleich mit diesen Städten hat Athen jedoch - trotz der Akropolis und einiger vorzüglicher, nicht nur archäologischer Museen - weit weniger an touristischen Attraktionen und urbaner Qualität zu bieten. Im Zentrum erinnert außer einem knappes Dutzend klassizistischer Gebäude nichts daran, dass Athen vor hundert Jahren noch die Aura einer Residenzstadt hatte. Was dem olympischen Gast heute zuerst auffällt, sind die Gebäudefassaden, die mit bedruckten Stoffbahnen zugehängt sind.

Deshalb war die große Hoffnung, über die Olympischen Spiele zum attraktiven Ziel für den profitablen, weil ganzjährigen Städtetourismus zu werden, schon immer verfehlt. Das große Vorbild B