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Das verschwundene Istrien: Eine vergessene Vertreibung
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Parenzan
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Anmeldungsdatum: 16.12.2004
Beiträge: 89


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BeitragVerfasst am: 08.09.2005, 11:55    Titel: Das verschwundene Istrien: Eine vergessene Vertreibung

Aus der FAZ am Sonntag vom 4.9.2005:

Messer, Gabel, Stuhl und Bild: Der Hafen von Triest beherbergt Zeugnisse einer Vertreibung


Hausrat und Möbel, Fischernetze und Werkzeugkästen, Vogelkäfige und Schulhefte, Madonnenstatuen und sogar eine Wagner-Büste: in einem Lagerhaus im theresianischen Freihafen von Triest stapeln sich 18000 Kubikmeter Hinterlassenschaft einer untergegangenen Kultur - jener der Italiener aus Istrien, die nach dem Zweiten Weltkrieg vor dem kommunistischen Terror flüchteten.


Als die Hafenstadt Pola im Februar 1947 unter alliierter Aufsicht von den Italienern geräumt wurde, blieb eine fast menschenleere Stadt zurück, denn 30000 der 34000 Einwohner der Stadt hatten sich für den Abschied entschieden. In der kommunistischen Propaganda war von einem großen Sieg über die Klasse der Ausbeuter und Volksfeinde die Rede. Als junger Journalist erlebte Indro Montanelli den Exodus, er beschrieb die wackeligen Kommoden, die alten Stühle und die verschnürten Koffer, die die Italiener auf die Leiterwagen luden: "95 Prozent dieser Exilanten sind arme Teufel, und ihre Habe zeugt von ihrem Elend." Wie aus Pola flüchteten Italiener aus Zara und aus Fiume, aus Rovigno, Parenzo und Capodistria, aus Städten und Dörfern, die heute nur noch unter ihren kroatischen und slowenischen Namen auf den Landkarten verzeichnet sind. Bauern, Handwerker und Fischer, die mit ihrer Arbeit ihre Familien ernährt hatten, waren plötzlich herausgerissen aus ihrem Lebenszusammenhang. Arbeitslos und mit den Familien auf kleinstem Raum zusammengepfercht, verbrachten sie meist viele Jahre in Flüchtlingslagern und litten unter ihrer Abhängigkeit von fremder Hilfe. Ihren beweglichen Besitz hatten die "esuli" aus ihrer von Jugoslawien annektierten Heimat zwar mitnehmen dürfen, aber in den überfüllten Flüchtlingslagern war dafür kein Platz.

Viele von ihnen leben nun in Amerika und in Australien, zurückgeblieben ist ihre Habe, die einen einzigartigen Querschnitt durch die materielle Alltagskultur der italienischen Dörfer und Städte Istriens darstellt. Im ehemaligen Auffanglager Padriciano, einem Dorf im Karst, dokumentiert eine Ausstellung den Verlauf dieser "ethnischen Säuberung". In Triest ist indes ein Museum der Kultur der Italiener aus Istrien und Dalmatien in Vorbereitung, das einen Teil der Hinterlassenschaft der Flüchtlinge aufnehmen soll. Die Arbeiten sollen im Oktober beginnen. Und ein amerikanischer Anwalt, Sohn italienischer Einwanderer, hat in Triest eine Kanzlei eröffnet, die sich für die Entschädigung der "esuli" durch die italienische Regierung stark macht. kps.


Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 04.09.2005, Nr. 35 / Seite 11
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Fred
Moderator/in
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Anmeldungsdatum: 08.02.2004
Beiträge: 4902
Wohnort: Bodenseekreis

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BeitragVerfasst am: 08.09.2005, 12:42    Titel: Re: Das verschwundene Istrien: Eine vergessene Vertreibung

Parenzan hat folgendes geschrieben:
Als die Hafenstadt Pola im Februar 1947 unter alliierter Aufsicht von den Italienern geräumt wurde, blieb eine fast menschenleere Stadt zurück, denn 30000 der 34000 Einwohner der Stadt hatten sich für den Abschied entschieden. In der kommunistischen Propaganda war von einem großen Sieg über die Klasse der Ausbeuter und Volksfeinde die Rede.



Entweder wurde da nicht richtig aus einem Artikel der FAZ kopiert, oder der Journalist hat schlecht bzw. unvollständig recherchiert !
Vielleicht hatte er ja auch die "italienische Brille" auf und deshalb Fakten schlicht verschwiegen :

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Pula von italienischen Truppen besetzt Exclamation Exclamation und kam durch die Friedensverträge ebenso wie ganz Istrien zu Italien.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt im Mai 1945 von jugoslawischen Truppen eingenommen und wurde zusammen mit Istrien zu einem Teil Kroatiens, eine Situation die im Friedensvertrag von 1947 bestätigt wurde. Zusammen mit ganz Kroatien war Pula bis 1991 Teil Jugoslawiens.

Faziut : Ein journalistischer Fehlgriff bzw. unsinnige Propaganda eines italienischen (??) Journalisten !

Es wäre interessant zu wissen, wie er zu diesen Zahlen gekommen ist ....

Daß die Italiener Istrien ganz gerne zurück haben möchten, ist ja nicht so neu ...... Crying or Very sad

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Gruß Fred
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burki
Forum-Administrator
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Anmeldungsdatum: 24.03.2004
Beiträge: 10876
Wohnort: Baden-Württemberg

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BeitragVerfasst am: 08.09.2005, 12:52    Titel:

bei Wikipedia ist folgendes zu lesen:

Istrien: Im Jahre 1945 wurden Zehntausende Italiener aus Istrien vertrieben und enteignet. Über die Zahl der Betroffenen existieren sehr verschiedene Angaben von ca. 30.000 bis 350.000. Womöglich bezieht sich die geringere Zahl auf die in Istrien beheimateten Italiener, die größere Zahl auf die Gesamtzahl der Italiener, die Istrien und die dalmatische Küste 1945 verlassen mussten, aber erst wenige Jahre zuvor dorthin gesiedelt waren. Im März 2004 erklärte sich Kroatien zu einer Entschädigung bereit, nachdem zuvor bereits Slowenien einer Entschädigung zugestimmt hatte. Die italienische Regierung hat dies zur Voraussetzung der EU-Assoziierung Sloweniens gemacht, obwohl mit dem Vertrag von Osimo im Jahre 1975 bereits eine gewisse Entschädigung geleistet worden war.

http://de.wikipedia.org/wiki/Vertreibung

Gruß burki

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Fred
Moderator/in
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Anmeldungsdatum: 08.02.2004
Beiträge: 4902
Wohnort: Bodenseekreis

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BeitragVerfasst am: 08.09.2005, 13:05    Titel:

burki hat folgendes geschrieben:
bei Wikipedia ist folgendes zu lesen:

Istrien: Im Jahre 1945 wurden Zehntausende Italiener aus Istrien vertrieben und enteignet.

Gruß burki


Unbestritten - jedoch darf nicht unterschlagen werden : Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Pula von italienischen Truppen besetzt und kam durch die Friedensverträge ebenso wie ganz Istrien zu Italien.

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Parenzan
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Anmeldungsdatum: 16.12.2004
Beiträge: 89
Wohnort: Trier, Roma

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BeitragVerfasst am: 08.09.2005, 16:11    Titel:

F. Rink hat folgendes geschrieben:
burki hat folgendes geschrieben:
bei Wikipedia ist folgendes zu lesen:

Istrien: Im Jahre 1945 wurden Zehntausende Italiener aus Istrien vertrieben und enteignet.

Gruß burki


Unbestritten - jedoch darf nicht unterschlagen werden : Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Pula von italienischen Truppen besetzt und kam durch die Friedensverträge ebenso wie ganz Istrien zu Italien.


Genau wie Trient, Udine, ganz Friaul usw! Im gegensatz zu Suedtirol alles mehrheitlich italienischsprachige Gebiete, die von der Donaumonarchie verwaltet wurden und nach deren Zusammenbruch naturgemaess an Italien gingen! Budapest wurde von ungarischen, Prag von tschechischen Truppen besetzt, usw !!! Man schaue sich die Volkszaehlungen an, die unter der KuK Monarchie durchgeefuehrt wurden:

Nach der Volkszaehlung von 1900 hatte Istrien 136.000 Italienische Einwohner, 47.717 Slowenische, 143.057 Kroatische.
Nach der Volkszaehlung von 1910 hatte Istrien 403.500 Einwohner, davon 147.739 Italianer, 57.576 Slowenen, 166.756 Kroaten. Die Italiener lebten in der ueberwiegenden Mehrheit an der Kueste, die Slowenen und Kroaten im Inneren Istriens.

Ich zitiere aus den KuK Volkszaehlungen:

1900.
Capodistria (heute Koper) 7205 it., 391 slov, 167 Kroaten, 67 Deutsche.
Pirano (heute Piran) 6791 it., 9 sl., 1 Kroate.
Umago (heute Umag) 2750 it., 0 sl., 0 Kr.
Parenzo (heute Porec) 3390 it., 13 slov. , 0 Kroat (!)
Rovigno (heute Rovinj) 9710 it., 16 sl., 17 deutsche, 0 Kroaten
Isola (heute Izola) 5326 it., 20 sl., 17 Deutsche.
Lussinpiccolo (heute Mali Losinj) 3904 it., 120 Deutsche., 509 Kroaten.
Pola (heute Pula) (1900) 24056 Ital., 1543 Slow., 10388 Kroaten., 4654 Deutsche.
Pola (1910) 30902 Ital., 3554 sl., 16443 Kroaten., 9046 Deutsche.

Im uebrigen spricht heute in Italien niemand von einer absurden "Rueckkehr" Istriens an Italien, 85% der Italiener wissen nicht einmal wo Istrien liegt. Es ist halt ein Jammer, dass eine Kultur, die diese Region entscheidend gepraegt hat (das kann niemand im Ernst leugnen!) fuer immer verloren gehen wird.


Zuletzt bearbeitet von Parenzan am 09.09.2005, 10:11, insgesamt einmal bearbeitet
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