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cui_bono Forum-Mitglied

Anmeldungsdatum: 14.09.2005 Beiträge: 15
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Verfasst am: 16.09.2005, 09:51 • Titel: |
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Hallo zusammen,
durch die Beobachtungen hier, in anderen Campingforen über andere Regionen und den Vergleich mit dem "Echten Leben" bin ich in den letzten Tagen ein ganzes Stück schlauer geworden, insofern danke ich allen gleichermaßen, denen, die mich unterstützt haben und auch denen, die mich angemacht haben. Bei letzteren war vor allem der Beitrag ein wichtiger Denkanstoß, in dem ich den "Ewig-Gestrigen" zugerechnet wurde. Ich will das kurz erläutern:
Es ist ganz einfach ein unaufhaltsamer Trend, der in den letzten Jahrzehnten eben auch Istrien erfasst hat: Outdoor-Massentourismus. Ich habe das besondere Lebensgefühl der Freiheit auf den "wilden, primitiven" Campingplätzen, das Papi so gut beschrieben hat, Istrien zugerechnet. Das war falsch. Es war das Ergebnis des Zustands einer sehr schönen Region BEVOR die Straßen zu gut, die persönliche und rechtlicher Lage zu sicher und die Toiletten zu zahlreich und zu sauber wurden.
Wenn man es ablehnt, im Urlaub in normparzellierten, an deutsche Vorgärten erinnernde Flächen kaserniert zu werden, muss man weiter ziehen, als die Karavane: Dalmatien, Montenegro, Serbien, Albanien, Rumänien, Ukraine. Istrien und der Kvarner entsprechen inzwischen ganz einfach auch der Camping-DIN-Norm, das muss man akzeptieren, das habe ich gelernt in den letzten Tagen. Und Campingplätze, die keine Seele mehr haben, die sich nur noch an der Form des Swimmingpools signifikant unterscheiden, mag ich ich nicht. Austauschbare Massenware, in die die Urlauberherden getrieben werden und in denen sich die Schäfchen dann auch normgerecht zu verhalten haben (Lagerfeuer verboten, vielleicht sogar noch das Grillen im Bereich der Normparzelle).
Ich denke, dass Menschen, die allein der Gedanke fertig machen würde, im Urlaub mit dem Spaten "auf die Toilette" zu gehen, die topgepflegte Waschhäuser brauchen, weil sie die Toilette im WoWa oder WoMo nicht benutzen wollen, die vielleicht das Spülbecken und den Herd im WoWa oder WoMo noch nie benutzt haben, unter Camping ganz einfach etwas anderes verstehen, als ich, und dass wir deshalb aneinander vorbei reden.
Die Pioniere, die in den 70ern und 80ern Istrien entdeckt und besucht haben, sind größtenteils weiter gezogen und die, die hängen geblieben sind, Wünschen sich vergangene Zeiten zurück. Da gehöre ich teilweise auch dazu (ewig-gestrig?). Sentimentalität nützt aber nichts. Istrien "entwickelt" sich. Die Lücke in den 90ern schlossen die Dauercamper, und jetzt kommen die Spaß- und Massentouristen, die ganz einfach noch mehr Geld pro Quadratmeter und Jahr bringen.
Während die Pioniere noch echte Abenteuer erlebten, während die alten Dauercamper sich bestimmt noch ab und zu eine Suppe warm machten, ist den Massentouris auch schon das Outdoorkochen zu lästig und sie strömen an die Massenabfütterungsstellen und ruinieren in den Restaurants die Qualität und die Preise. Und die Tagesbeschäftigung dieses Kundenkreises entspricht auch dem, was überall von Malle bis Antalya der leicht konsumierbaren Urlaubsmuse entspricht: Für die Teenies eine Disco an der anderen, Trendsportarten, Bananaboats, Jetski, Quadfahren, sich an einem Fallschirm hinter einem Boot herziehen lassen, usw.... . Und ab 20 erschöpft sich bei vielen das Interesse an der Urlaubsregion im Konsum von deutschem Satellitenfernsehen, Konsum von tonnenweise Belletristik am Pool, Konsum von Alkohol, Konsum von Sexualpartnern und das rummeckern an dem, was man (teuer) bezahlt hat - was man sich halt sonst zu hause weitgehend verkneifen muss. Nihilismus?
So wie es meine Eltern in den 70er und 80er Jahren vermieden haben, am Massentourismus am Gardasee oder in Rimini teilzunehmen, muss offenbar jetzt derjenige, der heutzutage dem Outdoor-Massentourismus entkommen will, ebenfalls so weit fahren, bis die Straßen, die Rechtslage und die Toilettenhäuschen schlecht genug werden. Istrien ist offenbar nicht mehr weit genug.
Also, nochmals vielen Dank an alle, die sich geäußert haben, egal wie!
Schöne Grüße,
Sven |
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Gast24 Gast
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Verfasst am: 16.09.2005, 14:21 • Titel: |
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Hallo Sven.
Viel Spaß bei deinen weiteren Urlauben und Reisen.
Deine Worte machen nachdenklich...
Und traurig.
Traurig, weil nicht alle den Mut haben, ehrlich zu sein, gerade nicht zu sich selbst.
Ich wünsch dir alles Gute, vielleicht liest man sich mal wieder...
gruss Uwe |
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Huberlinger36 Häufiger Stammgast

Anmeldungsdatum: 01.09.2005 Beiträge: 413
Wohnort: Niedersachsen
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Verfasst am: 16.09.2005, 15:21 • Titel: Alte Zeiten |
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Hallo Sven,
ich glaube, Du träumst von längst vergangenen Zeiten. Die Art von Camping, die Dir vorschwebt, nannte man noch "Zelten" und hatte mit dem modernen "Camping" nichts zu tun.
Das war Natur und Abenteuer pur. Als Jugendliche "reisten" wir zu Fuß, per Anhalter oder (in der ersten " Luxusphase") per Fahrrad zum Zelten. Das war so um 1948.
Zeltplätze bestanden nur aus Wald, Sand und Wiese, einer Wasserstelle und einem "Donnerbalken".
Gebühr, wenn überhaupt, paar Groschen.
Wild zelten war fast überall möglich. Lagerfeuer auch. Am schönsten
war es für mich auf den Elbinseln Lühesand und Pagensand nördl. Hamburg. Dorthin konnte man sich von Seglern bringen lassen. Naturschutz spielte noch keine Rolle.
Auch an der Ostsee zwischen Lübeck und Flensburg war vieles machbar.
Als Zelt dienten alte Dreieckzeltplanen der ehemaligen Wehrmacht. Je nach dem, wie viele Leute mitmachten, konnte man daraus die variabelsten Zelte basteln. Als Gestänge nahm man selbstgeschnittene Holzstecken.
Schlafsäcke bestanden aus einer alten, zusammengenähten Wolldecke. Statt Luftmatratzen gabe es Heu, Stroh oder Reisig.
Gekocht wurde auf offener Feuerstelle im alten Soldatenkochgeschirr. Gab es kein Holz, nahm man bevorzugt getrocknete Kuhfladen. Krönung der Kochkunst war Erbsenpulversuppe aus der berühmten "Erbswurst", ich glaube Marke "Knorr".
Dann kamen die Fünfziger und mit ihnen die Anfänge des modernen Wohlstandes.
Man fuhr per Motorrad über die Alpen. Die Ausrüstung wurde komfortabler, die Ansprüche stiegen.
Mit dem NSU-Lido bei Jesolo wurde aus Zelten Camping. Reglementierung und Preisniveau wurden gesteigert. Camping wurde Wirtschaftsfaktor.
Ganze Landschaften veränderten sich.
Ende der Sechziger stieg man um auf Wohnanhänger. Ich auch – die Familie setzte sich durch. Im Gefolge wurden die Campingplätze zu Geldmaschinen. Parzellierung,
Wasser- und Stromanschlüsse, noch höhere Gebühren – ein lukratives Geschäft, aber das naturverbundene Leben war vorbei.
Das damalige Jugoslawien bot „Asyl“. Viele wichen dorthin aus, ich auch. So etwa in den Achtzigern zog auch dort das Gewinnstreben ein und wurde nach dem Krieg besonders schlimm. Zwar wurde vieles „besser“, aber die Natürlichkeit ging verloren.
Das Publikum änderte sich zum Teil ebenfalls gewaltig. Motz und Protz hielt Einzug. Die Fahrzeuge wurden größer und prächtiger. Viele zeigen, dass man nicht aus Geldmangel Camping macht. Um das zu unterstreichen trägt man selbst beim FKK schweren Goldschmuck.
Die alte Kameradschaft existiert auch nicht mehr. Ausnahmen gibt es natürlich. Aber der Interessenausgleich zwischen den Standcampern und den mobilen Gästen ist schwierig und mit mancherlei Spannungen verbunden.
Naturverbundenes Schlichtcamping, wie es Dir wohl vorschwebt, wirst Du in Europa kaum noch finden.
In Skandinavien gibt es noch Restbestände. Ich habe in den letzten Jahren Schweden und Norwegen per Motorrad und Zelt bereist. Da habe ich mich oft in die „gute alte Zeit“ zurückgesetzt gefühlt.
Was sonst noch bleibt: Wahrscheinlich die baltischen Staaten und die polnische Ostseeküste. Leider ist das Risiko noch nicht kalkulierbar...
Ich hoffe, Du findest den Platz Deiner Träume, daran glauben kann ich leider nicht.
Mit freundlichen Grüßen.
Huberlinger36 |
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Fred Moderator/in

Anmeldungsdatum: 08.02.2004 Beiträge: 5025
Wohnort: Bodenseekreis
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Verfasst am: 16.09.2005, 17:19 • Titel: Re: Alte Zeiten |
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| Huberlinger36 hat folgendes geschrieben: |
| Mit dem NSU-Lido bei Jesolo wurde aus Zelten Camping. |
Das waren noch nette Zeiten in Cavallino ......  _________________ Gruß Fred
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Medulin, meine zweite Heimat
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