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Auf der Suche nach Kotli - 2. Teil (Bildbericht)

 
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aundk
Moderator/in
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Anmeldungsdatum: 10.04.2005
Beiträge: 1125


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BeitragVerfasst am: 28.12.2005, 13:31    Titel: Auf der Suche nach Kotli - 2. Teil (Bildbericht)

Auf der Suche nach Kotle - Teil 2: Hier muss es rechts abgehen, oder?

Unser eigentliches Ausflugsziel heißt Kotli/Kotle und ist auf der Landkarte eindeutig östlich,
nahe der Straße Draguc – Buzet zu erkennen. Warum also einen langen Umweg (offizielle Kfz-Wegbeschreibung)
über Buzet – Roc – Brnobici – Kotli fahren, wenn scheinbar das Gute liegt so nah.

Wie beschreibt doch unser Reiseführer den Wanderweg dorthin:

´Unser Rat wäre, im Dorf Krusvari Pause machen. Wenn sie Lust zum Spazieren haben, parken sie ihren PKW in Krusvari,
nehmen sie die Tasche, Landkarte, Fotoapparat und Badeanzug und begeben sie sich nach Dorf Kotle.´


Nun habe ich, Klaus, einen Tick: ich fahre gerne enge-schmale-kurvige-holprige-bergauf-bergab Straßen. Noch lieber unbekannte Feldwege,
möglichst weitab der normalen Landstrasse. In Italien sind wir mal fast in einer Dorfgasse stecken geblieben,
das kann man noch heute an den abgekratzten Außenspiegel links und rechts erkennen.


Also, hier irgendwo muss der Weg nach Kotli rechts abgehen. Wir waren schon fast in Prodani, kein Weg rechts ab, oder?
Zurück! An Krusvari vorbei. Wagen wenden, nochmals aufpassen, alle vier Personen!
Hier muss doch der Weg sein! Diese Übung machten wir drei Mal, es wurde wärmer, die Kinder fingen an zu meckern ("Papa, du nervst!")

Shit, hier fahren wir jetzt rechts rein. Sieht nicht aus wie ein Feldweg, aber ist jetzt auch egal.

Passen wir da durch?






Nach der schmalen Hausdurchfahrt standen wir buchstäblich auf dem Acker.
Ein älterer Herr kam aus dem Stall gestürzt und auf unsere hilflose Geste mit der Landkarte
und dem Ausruf „Kotli“ meinte er in einem prima Deutsch: „Mit Ihrem Wagen (er hielt unsere Familienkutsche für einen Geländewagen)
fahren sie direkt neben dem Kulturheim in Krusvari rechts rein, kein Problem für sie.“

Na also, warum nicht gleich so! Beim Kulturheim rechts rein! Schöner Asphaltsweg, bis genau zu diesem Wegesschild:







Genau hier war dann aber Schluss mit lustig.
Zunächst ein Makadammweg, das geht ja noch, kennen wir doch.
Daraus wurde dann ein holpriger Weg, aus dem holprigen Weg ein sehr sehr holpriger Weg.
Dann hieß es „aussteigen, ich fahre mal lieber alleine, sonst setzt der Wagen auf“.
Das, was vom Weg noch zu erkennen war, war wohl von einem Unwetterregen ziemlich ausgewaschen worden
und hatte tiefe Furchen hinterlassen!
Und in weniger als Schritttempo tasteten wir uns immer weiter bergab.







Doch endlich, nach wirklich steilem Bergab lag hinter einer Kurve der herbeigesehnte Ort Kotli.
Welch eine Erleichterung und die Lehre habe ich für mich gezogen: „Da fahre ich nicht noch mal lang!“

Nochmals unser kroatische Reiseführer:
´Kotle war bis fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts Dorf der Landwirtschaftler und Gewerbler,
besonders nach Schneider und Müller bekannt.
Dann begann die Bevölkerung auszuwandern und das Dorf ist ganz leer geworden.
Erst in letzten Jahren begann man die Häuser zu erneuern, und ins Dorf kehrt das Leben zurück.
Heute ist Kotle einer der attraktivsten und meist besuchtesten istrischen Ausflugsorte.´








´Alte Häuser zeugen über damaligen relativen Wohlstand der Eigentümer und stellen ein hervorragendes Beispiel
des istrischen ruralen Bauwesens dar. (...) Besichtigen sie eine erneuerte Wassermühle, nehmen sie einige einzigartige Photos auf.´








Dieses Bild dürfte aus meinem Fotorätsel „Haus - For Sale“ bekannt sein:

http://www.istrien.info/forum/thema7487.html






Mittlerweile ist sogar eine örtliche Gastronomie entstanden:







Diese wackelige 3 t Brücke führt über das ausgetrocknete Mirnabett hinweg
zum östlichen Ufer Richtung Brnobici – Hum.







Konoba Kotlic aus Mirnasicht:






Unserer Forenfreund Peter Hoffmann würde bei diesem Anblick das Herz vor Freude hüpfen.
In seinem Werk „Dem Karst auf der Spur", im Forum zu finden unter:

http://www.istrien.info/forum/thema6287.html

beschreibt er die erosive (Abtragung durch mechanische Wirkung) und die korrosive (Abtragung durch chemische Wirkung)
Kraft des Wassers sehr plastisch und legt sie uns höchst anschaulich vor Augen:

´In diesem Bach hat man den Prototyp für einen Karstfluss vor sich, der manchmal viel,
manchmal wenig, oft gar kein Wasser führt. Dann sind nur noch die ausgewaschenen Gumpen voller Wasser,
denn überall kann man sehen, wie der Bach seinen Untergrund, den Felsen, bearbeitet.
In alle Formen hat der Bach den Fels ausgewaschen, Brücken und kleine Wasserfälle, Grate, Berge und Täler mit Seen und Flüssen,
eine ganze Gebirgslandschaft im Kleinen erfreut nicht nur den Fotografen, der gerne Bilder von Details macht!´







Hier ein Blick auf die Mirna flussabwärts. Im Hintergrund die restaurierte Wassermühle
mit der Wasserzuleitung am rechten Bildrand:







´Gehen sie hinunter ins Flussbett, erfrischen sie sich im klarem und kaltem Wasser
aus Vertiefungen die der Fluss ähnlich dem Kessel gemacht hat (und dadurch Name des Dorfes).´


Die Aufforderung des Reiseführers hört sich verführerisch bei der Hitze an.
Ein Blick in den Kessel mit pipiwarmen, brüheartigem Wasser und Kleingetier
ließ die Lust schnell vergehen.






Zum Abschluss des Ausfluges hatten die Kinder sich durch ihr Durchhalten eine Belohnung verdient:
Unser Lieblingslokal ´Humska Konoba´!
Siehe auch:

http://photoforum.istria.info/kroatien-foto-6726.htm







Jeder durfte seine Lieblingsspeise bestellen.
Fenja natürlich Fuzi mit Tartufi und Krostole, Kersten Istrische Wurst.







Auch die kleinsten Zaungäste bekamen ihren Teil ab:



So ging ein erlebnisreicher Tag mit vielen Eindrücken und einer spannenden Roadstory dem Ende entgegen.

LG Klaus

_________________
Wir sehen uns in Istrien!
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Zuletzt bearbeitet von aundk am 02.09.2006, 09:26, insgesamt einmal bearbeitet
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