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wolfgangt
Stammgast
Stammgast


Anmeldungsdatum: 15.01.2006
Beiträge: 149


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BeitragVerfasst am: 18.01.2006, 21:26    Titel: Weihnachten in Kroatien

Mein erster Kontakt mit Kroatien.
Es ist nun schon 30 Jahre her, ich hatte hier eine Kroatin (seit 26 Jahren meine Frau) kennengelernt und sie hat mich eingeladen mit Ihr nach Kroatien zu fahren und Weihnachten zu feiern. Mit gemischten Gefühlen bin ich damals mitgefahren, was wußte ich von Jugoslawien, Kommunistisch, strenge Polizei. Sie hat mich überzeugt. Also mit dem Zug nach Slavonien, dann mit dem Traktor mitten in die Wildnis. Ein Dorf von 20 Häusern mitten im Wald.
Vor den Häusern saßen am Feuer Leute und drehten Spanferkel und begossen sie mit Bier. Gegen die Kälte tranken sie Slivovitz.
Auch meine zukünftige Schwiegermutter begrüßte mich mit gemischten Gefühlen (schlechte Erinnerungen aus dem 2. Weltkrieg). Ich verstand natürlich kein Wort. Was reden die jetzt über mich? Alle außer meiner zukünftigen Frau sprachen nur Kroatisch.
Dann gab es einen selbstgebrannten Slivovitz zur Begrüßung (den für Frauen, der andere war mir zu stark). Suppe und Spanferkel mit selbstgebackenem Brot. So etwas gutes habe ich noch nie gegessen, die Spanferkel waren selbstgezüchtet mit Eichelmast.
Dann gab es Kuchen. Es war ein riesiger Teller mit mindestens 20 Sorten, alle kleingeschnitten wie Plätzchen, viel Creme, Wallnuß und Waffel.
Ich war eigentlich schon vom Hauptgericht satt und habe nur so 3 Stück gegessen, alle sehr gut. Dann kam aber der Spruch (alles von meiner Zukünftigen übersetzt) schmeckts nicht? Also noch ein paar gegessen.
Dann ging es zu den Nachbarn. Begrüßung, Slivovitz, Spanferkel, Kuchen.
Zu den nächsten........... immer wieder das gleiche Prozedre.

Ich weiß heute nicht mehr wie ich nach Hause gekommen bin.

Es war für mich ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.
Damals ging man ohne Anmeldung zu den Nachbarn.

Wie hat es sich verändert, den Zusammenhalt von damals gibt es nicht mehr. Einige sind im Ausland gewesen, haben Geld verdient, große Häuser gebaut. Die anderen sind dageblieben und haben irgendwie überlebt. Die im Ausland waren, können sich nicht ganz an das Leben gewöhnen. Wie meine Frau sagt: Fremd im eigenen Land.
Jedes Jahr packt sie das Heimweh, wenn wir dann ein paar Tage dort sind, sehnt sie sich wieder nach Deutschland. Zu viele Probleme.
Wir fahren immer zuerst nach Zagreb, Plitvice, Makarska Riviera und Medugorje in Bosnien und dann für 3 Tage in Ihre Heimat nach Slavonien.

Für mich ist Kroatien immer noch ein Land mit einer herzlichen Bevölkerung in das ich jedes Jahr gerne wieder fahre.
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Hartmut
Forum-Administrator
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Anmeldungsdatum: 07.04.2004
Beiträge: 5641
Wohnort: Böblingen

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BeitragVerfasst am: 18.01.2006, 23:20    Titel:

Hallo Wolfgangt,

danke für deine offene Berichterstattung.

Dein Bericht schildert den teilweise schmerzlichen Wandel der Zeit, der zudem auch mit auf den Kriegsauseinandersetzungen beruht.

Ich hoffe trotz allem, dass sich die Kroaten an die schöne Zeit der früheren Jahren erinnern und sich davon nicht ganz entfernen.

_________________
Hartmut

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Gast24
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BeitragVerfasst am: 19.01.2006, 11:52    Titel:

mlini83 hat folgendes geschrieben:


Ich hoffe trotz allem, dass sich die Kroaten an die schöne Zeit der früheren Jahren erinnern und sich davon nicht ganz entfernen.


War die Zeit so schön ?

Ist sie heute besser ?

Wird sie besser werden ?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht, woher auch, als Nicht-Kroate.

Klar zu sein scheint für mich als Urlauber, dass Kroatien sein Gesicht verliert. Die so ersehnte EU Mitgliedschaft mag dem Land finanziell nützlich sein, für seine eigene Geschichte mag ich das bezweifeln.

Schon jetzt sind die meisten kleineren Geschäfte bedroht, wenn erst die großen Global Player ungehindert auf den Kroatischen Markt vordringen können, werden viele kleine Betriebe auf der Strecke bleiben.

Sicher, einige werden zu den Gewinnern gehören, die Masse verliert...

So wie in der ehemaligen DDR. Ich als Wessi bin früher öfters "drüben" gewesen. Die Menschen waren offen, hatten alles was sie zum Leben brauchten und waren trotzdem nicht zufrieden. So verlockend war das, was sie von uns kannten und im West Fernsehen sahen.

Heute hört man oft folgendes: Früher hatten wir zwar genug Geld, durften aber nicht reisen, heute dürfen wir, können es aber nicht bezahlen.

So in der Art wird es vielen Kroaten auch gehen, sie werden am Aufschwung nicht teilnehmen können.

Das Zwischenmenschliche wird in den Hintergrund treten, dem Urlauber wirds egal sein. Hauptsache billig, wie es den Menschen geht, interessiert nicht. Schließlich hat man sich die paar Tage Urlaub redlich verdient.

Insofern ist es schwierig, alten Zeiten hinterher zu trauern. Sie mögen für manche Menschen besser erscheinen, für die, die zu der Zeit in Jugoslawien gelebt haben, kann ich es nicht beurteilen.

Uwe
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Vera
Moderator/in
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Anmeldungsdatum: 11.03.2004
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BeitragVerfasst am: 19.01.2006, 15:15    Titel:

Aber ist das nicht überall so, dass die alten Zeiten immer viel besser waren? Denkt doch mal in Deutschland 30 Jahre zurück. Da kannte man noch seinen Nachbarn und die Frau im Tante-Emma-Laden. Aber auf das große Angebot im Supermarkt und die vergleichsweise günstigen Preise mag dann auch niemand verzichten. Wie denn auch? Das kann sich ja niemand leisten. Kroatien passt sich derzeit an das restliche Europa an und das ist nicht zu vermeiden, wenn sie konkurrenzfähig sein wollen auf dem Weltmarkt. Rolling Eyes
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wolfgangt
Stammgast
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Anmeldungsdatum: 15.01.2006
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